Der heilige Wenzel – 28. 9.

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Heute ist der Tag der tschechischen Staatlichkeit. Warum gerade am 28. September? Am 28. September 935 wurde der böhmische Fürst Wenzel von seinem jüngeren Bruder Boleslav ermordet. Die Umstände des Todes und die wenig noch erhaltenen historischen Dokumente zu dieser Zeit halfen zur Entstehung eines Wenzel-Kultes, der in der tschechischen Geschichte eine ausgesprochen wichtige Rolle spielte. Aber wer war Wenzel überhaupt?

 Wenzel, aus dem Geschlecht der Přemysliden, war Herrscher ein kleinen Region um Prag und zugleich Oberhaupt des böhmischen Stammesverbandes. Zu Beginn des 10. Jahrhunderts hat sich das Christentum in dem tschechischen Stammesgebiet noch nicht vollends durchgesetzt. Der getaufte Wenzel schaffte aber in seiner kurzen Regierungszeit den Brückenschlag zwischen der alten und der neuen christlichen Ordnung. Wenzel hat ebenso dazu beigetragen, dass Böhmen in der neuentstehenden europäischen Ordnung selbständig blieb.

Boleslav, der Brudermörder, drängte selbst nach dem Tode Wenzels auf dessen Heiligsprechung. Der Heilige Wenzel wurde so zum Landespatron für das gesamte tschechische Volk. Er ist der beliebteste tschechische Heilige, Landespatron und zugleich eine Persönlichkeit, die eine große Rolle bei der Emanzipation des tschechischen Staates spielte. Noch heute finden bei Gelegenheiten, bei denen die nationale Unabhängigkeit Tschechiens betroffen ist, traditionell Versammlungen und Demonstrationen auf dem Prager Wenzelsplatz, am Reiterdenkmal statt. So 1918 bei der Ausrufung der Republik und 1989 bei der Samtenen Revolution.

Am 28. September ist auch der Namenstag von Wenzel, auf Tschechisch Václav. Viele bekannte Persönlichkeiten tragen den Namen des Landespatrons, so zum Beispiel Václav Havel und Václav Klaus. Václav ist der 12 häufigste Vorname in Tschechien.